Rezension “ Organisation und Inspiration“ bei EHP

Es freut uns sehr anzukündigen, dass unser neustes Buch „Organisation und Inspiration“ bei EHP eine wunderbare Rezension erhalten hat.

Gerhard Fatzer, Britta Schönberger u.a.: Organisation und Inspiration

Cover Gerhard Fatzer, Britta Schönberger, Sabina Schoefer: Organisation und Inspiration. Führung für die Zukunft. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2015. 208 Seiten. ISBN 978-3-89797-070-0. 38,00 EUR, CH: 61,00 sFr.
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Autorinnen

  • Dr. Gerhard Fatzer ist ein Schweizer Psychologe, leitet das Trias Institut für Coaching und Organisationsentwicklung und hat mit vielen renommierten Organisationsforschern in den USA zusammengearbeitet. Zudem war und ist er Gastprofessor an verschiedenen Universitäten.
  • Britta Schönberger ist reformierte Pfarrerin.
  • Dritte Autorin ist Dr. Sabina Schoefer, die in Bremen in der Erwachsenenbildung tätig ist.

Entstehungshintergrund

Das Buch ist in der Reihe EHP-Organisation erschienen, in der Basistexte für die Organisationsentwicklung vorgestellt werden. EHP steht als Abkürzung für „Edition Humanistische Psychologie“, wobei in der rezensierten Publikation der Schwerpunkt auf der Organisationspsychologie liegt.

Thema

In diesem Buch geht es konkret um die Einbeziehung der Inspiration in Organisationen, wobei die „Theorie U“ von Claus Otto Scharmer zugrunde gelegt wird. Danach ist die zentrale Fertigkeit zur Entwicklung das „Presencing“, ein Kompositum aus „presence“ und „sensing“, von der sowohl eine Organisation als Ganzes als auch der einzelne Mitarbeiter persönlich profitieren kann. Eingebunden in den Rahmen sind als mentales Modell die beiden Räume der Transformation „Erde, Irdisches“ und „Spiritualität, Himmel“. Es geht also um Veränderungsprozesse im persönlichen und im organisationalem Bereich.

Die Notwendigkeit eines solchen, neuen Führungssystems wird anhand der Hilflosigkeit begründet, wie sie bei „Fixes that fail“, also fehlgeschlagenen Problemlösungen, auftritt. Ausführliche Beispiele hierfür sind die Explosion der Plattform „Deepwater Horizon“ von BP im Jahr 2010, die auch den Anforderungen der biblischen Sintflut gegenübergestellt wird sowie der Tsunami in Fukushima. Diese beiden GAUs der letzten Jahre sind sicherlich jedem noch im Gedächtnis und es stellt sich die Frage, ob und wie zukünftig auf ähnliche Vorfälle reagiert werden sollte. In Anlehnung an die Gedanken von Ed Schein wird hierfür eine Kernkompetenz in der Inspiration gesehen. These ist, dass Führungskräfte in einer Glaubwürdigkeitskrise stecken. Um dieses zu ändern, sollte Führung als Wahrnehmungsfähigkeit von zukünftigen Möglichkeiten verstanden werden. Die Theorie wird hierbei um den spirituellen Hintergrund von Transformationsgleichnissen erweitert.

Aufbau

Das Buch besteht aus zwei Teilen:

  1. der Einleitung und
  2. der Weiterentwicklung der Theorie U.

In der Einleitung finden sich zwei grundlegende Aufsätze, die vier Aufsätze zur Theorie sind dann umfassender.

Das Buch ist kein eigentliches wissenschaftliches Fachbuch, wie man es in Deutschland gewohnt ist. Vielmehr ist es leicht und gut verständlich zu lesen und erinnert stark an die amerikanischen Textbücher; was als großes Lob zu verstehen ist. Denn trotz vieler Grafiken, Zitate, Übersichten etc. und hoher Verständlichkeit handelt es sich um ein fundiertes wissenschaftliches Werk und nicht um die so gern geschriebenen Ratgeber, bei denen Praxisorientierung mit Unwissenschaftlichkeit gleichgesetzt wird. Hiervon ist dieses Buch weit entfernt.

Teil Einleitung

Auf den ersten Aufsatz „Wenn Inspiration auf Organisation trifft, wird Kreativität konkret“, wurde bereits beim „Entstehungshintergrund“ ausführlich Bezug genommen. Der zweite Aufsatz von Gerhard Fatzer nennt sich „Führung und Veränderung – auf dem Weg zum Führungssystem“. Hier geht es um den „weißen Ritter“, der ins Strudeln geratene Unternehmen rettet. Erfahrungen zeigen, dass dieses Vorgehen oft nicht hilft; vielmehr sollte inspirierte Führung ein Führungssystem und nicht nur eine einzelne Person sein. Hierzu wird zunächst auf Scheins Führungsmodelle und das Dilemma des Helfens eingegangen. Die Transformation findet sich in der Führung durch eine Person zur Führung in einem System wieder, die völlig anders als das heroische Modell ist. Weiterhin werden unter anderem die fünf Führungs-Pfade geschildert, Führung und Heldengeschichten geschildert und neue Formen der Führung entwickelt.

Teil „Die Weiterentwicklung der Theorie U“

Der erste Aufsatz stammt von Britta Schönberger mit dem Titel „Transformation und Theorie U – aus spiritueller Sicht“. Zunächst orientiert sich die Autorin an Teil II „Eintreten in das U-Feld“ von Scharmer mit Downloaden, Hinsehen, Hinspüren etc. Wenn dann noch die Bibel – das alte und das neue Testament – vom Sündenfall in der Genesis bis zu den Rollen Jesu unter Führungsaspekten geschildert werden, dann wird man neugierig.

Ebenso ungewöhnlich ist der zweite Aufsatz von Britta Schönberger „Religiöse Erwartungen an die Rolle des Beraters“. Hierin stellt sie Hypothesen auf. Kurz gefasst lautet die erste Hypothese, dass, wenn die innere Übereinstimmung mit dem beruflichen Tun nicht mehr gegeben ist, zumindest Unzufriedenheit entsteht. Diese These entspricht denen der Nestoren der Berufspädagogik wie Georg Kerschensteiner oder auch Jürgen Zabeck und dürfte unwidersprochen bleiben. Diese Krise würde noch verstärkt, wenn die vergebende Perspektive der Religion fehlt, die zur Harmonie von Sein und Tun beitragen kann. Die zweite Hypothese postuliert, dass die Beobachtung des eigenen Erkennens eine religiöse Bewegung sei, mit der auch die numinose Kraft – also göttliche Kraft – mystisch gesehen wird. Die dritte Hypothese basiert hierauf, indem Menschen einen Wunsch nach verlässlicher Orientierung haben und nach geeigneten Personen suchen. Auch Berater werden mit diesem Wunsch konfrontiert.

„Coaching als Begleitung von Transformationsprozessen“ lautet der Titel des nächsten Aufsatzes von Gerhard Fatzer & Sabina Schoefer. Hier erfolgt die Auseinandersetzung mit den drei Beratungsformen Supervision, Coaching und Organisationsentwicklung als Begleitung von Lern-, Veränderungs- und Entwicklungsprozessen. Die drei Methoden werden zunächst miteinander verglichen, um dann ihre Wirkungen in Neuorientierungen und Supervision zu analysieren. Thematisiert wird, dass in diversen Typen von Organisationen sich die Veränderungsanlässe durchaus unterscheiden können.

Den Abschluss bildet der Aufsatz von Sabina Schoefer „Nachhaltige Transformation für die Organisation“. Es ist ein sehr persönlicher Aufsatz, bei dem das „Preferred Futuring“ als Ansatz der Transformation beschrieben wird. Wie umfassend die Wertsphären des Bewusstseins in die Veränderungsprozesse hineinreichen, wird dargestellt: Nach Jürgen Habermas sind es die drei Geltungsansprüche der subjektiven Wahrhaftigkeit (Ich), der intersubjektiven Richtigkeit (Wir) sowie der objektiven Wahrheit (Es).

Diskussion

Um es auf den Punkt zu bringen: Dies ist der Blick über den Tellerrand hinaus. Die oft, ja teilweise schon wie ein Monstranz von Bildungspolitikern vor sich hergetragene und beschworene Interdisziplinarität – hier ist sie. Dieses ist aber auch fordernd. Es ist nicht einfach, sich in die doch teilweise recht unterschiedlichen Gedankenwelten und Schreibstile einzulesen und zu denken. Sicher nichts, was man einfach auswendig lernen und dann bulimisch von sich geben kann. Eher ein Buch, welches man Aufsatz für Aufsatz liest, nochmals liest und dann in seine eigene Gedankenwelt einbaut. Man wird nicht allem zustimmen, vieles ist auch sehr plakativ und sehr persönlich. Aber eben diese Transformation der Überlegungen der Autoren auf und in den eigenen Erkenntnis- und Erfahrungsschatz macht dieses Buch so interessant und lesenswert.

Fazit

Olaf-Axel Burow von der Universität Kassel hat dieses Buch als sehr ungewöhnlich bezeichnet. Dem ist uneingeschränkt zuzustimmen. Auch wenn es auf den ersten Blick merkwürdig anmutet, biblische Texte mit Managementtheorien in Verbindung zu bringen, so zeigen sich doch deutliche Erkenntniszuwächse. Und es regt zum Nachdenken an, wenn die Theorie mit Helden- und Veränderungsgeschichten zusammengeführt wird. Gerade weil es so anders, so ungewöhnlich ist, ist dieses Buch unbedingt empfehlenswert.


Rezensent
Prof. Dr. Rüdiger Falk
Professor für Human Resource Management an der Fachhochschule Koblenz
RheinAhrCampus Remagen
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Zitiervorschlag
Rüdiger Falk. Rezension vom 10.01.2017 zu: Gerhard Fatzer, Britta Schönberger, Sabina Schoefer: Organisation und Inspiration. Führung für die Zukunft. EHP – Verlag Andreas Kohlhage (Gevelsberg) 2015. ISBN 978-3-89797-070-0. In: socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, http://www.socialnet.de/rezensionen/21849.php, Datum des Zugriffs 11.01.2017.


 

 

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